Diagnose: der Beginn des gemeinsamen Weges

Die Ursachen für Fortpflanzungsstörungen sind häufig sehr komplex. Die präzise Diagnose möglicher Ursachen der Kinderlosigkeit ist daher eine wichtige Voraussetzung für eine Erfolg versprechende Kinderwunsch-Behandlung.

 

Gegenseitiges Vertrauen ist eine weitere wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung. Kaum ein Thema ist so sensibel und individuell wie ein unerfüllter Kinderwunsch. Deshalb steht am Anfang unseres gemeinsamen Weges ein sehr ausführliches Gespräch mit dem Patientenpaar. In diesem Gespräch möchten wir nicht nur mögliche Ursachen der Sterilität erkennen, sondern auch Ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen für die gewünschte Behandlung.

 

Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit

Ungewollte Kinderlosigkeit ist in aller Regel nicht angeboren, sondern erworben: Fortpflanzungsstörungen gibt es beim Mann wie bei der Frau. Häufig auch bei beiden gleichzeitig.
 
Die Rahmenbedingungen für Fruchtbarkeit sind nicht besser geworden. Umwelt-Belastungen, einseitige Ernährung, andauernde höchste Anforderungen im Beruf oder  seelische Belastungen haben sie eher verschlechtert.

Mögliche Ursachen beim Mann

Störung der Spermien-Reifung
Sowohl durch Hodenhochstand, operierte Tumore oder Hormonstörungen kann die Spermien-Reifung beeinträchtigt sein. Ebenso können äußere Faktoren wie Stress, Umweltbelastungen oder akute Infektionen zu Einschränkungen der Zeugungsfähigkeit führen.

Störung des Spermientransports
Bei einigen Männern werden zwar ausreichend viele bewegliche Spermien gebildet, sie können aber auf Grund blockierter Samenleiter beim Samenerguss nicht aus dem Körper austreten. Ursache können fehl gebildete oder, zum Beispiel infolge einer chronischen Entzündung, verklebte Nebenhodengänge sein.

Genetische Störungen
Selten wird auch durch angeborene Schädigung der Erbanlagen (Chromosomenanomalien) die Spermienproduktion und -reifung erheblich beeinträchtigt.

Ejakulationsstörungen
Hier können organische, anatomische oder psychische Faktoren eine entscheidende Rolle spielen.

Mögliche Ursachen bei der Frau

Störung der Eizellreifung
Fehlfunktionen im Hormonhaushalt können zu Störungen der Eizellreifung, zum Ausbleiben des Eisprungs und zu einer mangelhaften Gelbkörperbildung führen.

Oft liegen erhöhte Werte an männlichen Hormonen (Androgenen) vor. Unter- und Übergewicht, Störungen der Schilddrüsenfunktion, sehr selten auch Tumore, Medikamente und Stress können ebenfalls das hormonelle Gleichgewicht negativ beeinflussen. Nur selten liegt eine chromosomale Störung (z.B. Turner-Syndrom oder Fragiles X-Syndrom) vor.

Schädigung der Eileiter
Teilweise oder komplette Verschlüsse der Eileiter machen einen regelgerechten Eizelltransport in die Gebärmutterhöhle unmöglich. Häufigste Ursachen der geschädigten Eileiter sind Entzündungen.

Vorausgegangene Eileiterschwangerschaften, Verwachsungen oder Endometriose können ebenfalls zu Veränderungen der Eileiter mit anschließender Unfruchtbarkeit führen.

Endometriose
Bei der Endometriose liegen Gebärmutterschleimhaut ähnliche Zellen außerhalb der Gebärmutterhöhle. Es handelt sich hierbei um eine der häufigsten gutartigen Erkrankungen der Frau. Die Ursachen dieser Erkrankung sind nicht ganz klar.

Häufige Symptome einer Endometriose sind Unterbauchschmerzen, schmerzhafte Blutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Zudem kommt es nicht selten zu Problemen beim Schwangerwerden; dafür können organische Veränderungen oder Milieustörungen der Bauchhöhlenflüssigkeit verantwortlich sein.

Die Diagnose einer Endometriose wird häufig erst durch eine Bauchspiegelung gestellt.

Fehlbildungen der Gebärmutter
Fehlbildungen von Gebärmutter, Eileitern oder Eierstöcken sind sehr selten (bei ca. fünf Prozent aller Frauen) und können je nach Ausprägung zu gehäuften Fehlgeburten führen oder den Eintritt einer Schwangerschaft verhindern.

Antikörper gegen Eizellen oder Spermien
In seltenen Fällen bildet das Immunsystem Antikörper gegen die eigenen Eizellen. Etwas häufiger befinden sich Antikörper gegen Spermien im Gebärmutterhalssekret oder im Blut. Die Spermien werden dann am Aufsteigen in die Eileiter gehemmt, so dass keine Befruchtung eintreten kann.

Bei etwa 15 Prozent der diagnostizierten Patienten findet man weder beim Mann noch bei der Frau klinisch erkennbare Gründe für die Fortpflanzungsstörung. Man spricht dann von einer idiopathischen Sterilität.